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iüLabs – Forschung aktuell
Mehr REM-Schlaf, geringeres Krankheitsrisiko?
Eine neue Langzeitstudie mit 95.559 Teilnehmenden aus der UK Biobank deutet darauf hin, dass für unsere Gesundheit nicht nur die Schlafdauer zählt. Auch die Schlafphasen, Regelmäßigkeit und nächtliche Unterbrechungen scheinen langfristig relevant sein.
- Die Schlafmuster wurden sieben Tage lang mit einem Bewegungssensor am Handgelenk erfasst.
- Die Teilnehmenden wurden anschließend im Median 8,9 Jahre beobachtet.
- Mehr REM-Schlaf war mit einem niedrigeren Risiko für 83 Krankheitsbilder verbunden.
- Für viele untersuchte Erkrankungen lag der günstigste Bereich der Schlafdauer zwischen sechs und acht Stunden.
- Die Studie zeigt Zusammenhänge, aber keinen Beweis dafür, dass zusätzlicher REM-Schlaf Krankheiten verhindert.
Übersicht
- Ein neuer Blick auf Schlaf und Gesundheit
- Was ist REM-Schlaf?
- So war die Studie aufgebaut
- Was die Forschenden herausgefunden haben
- Was die Ergebnisse bedeuten – und was nicht
- Wie genau können Wearables Schlafphasen messen?
- Was Du für Deinen Alltag mitnehmen kannst
- Häufige Fragen
- Fazit
Ein neuer Blick auf Schlaf und Gesundheit
Wir alle kennen dieses Gefühl - man hat sieben Stunden geschlafen und trotzdem fühlt man sich morgens nicht wirklich erholt. Die Schlafdauer ist für viele von uns der wichtigste Indikator, wie gut unsere Nacht war. Sie verrät aber nichts über unsere Schlafqualität, die mindestens genauso wichtig. Unter Schlafqualität versteht man beispielsweise wie ruhig man geschlafen hat oder wie sich der Schlaf über die Nacht verteilt hat.
Denn während wir schlafen, durchlaufen wir verschiedene Schlafphasen, die von unseren Gehirn gesteuert werden und sich merhmals pro Nacht wiederholen. Dabei wechseln sich Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf in mehreren Zyklen ab. Zwei Menschen können beide sieben Stunden schlafen aber dennoch sehr unterschiedliche Nächte erleben. Die eine Person schläft weitgehend ungestört und fühlt sich morgens gut erholt, die andere ist zwischendurch immer wieder kurz wach und fühlt sich am nächsten Morgen wie gerädert.
Wie solche Unterschiede mit der langfristigen Gesundheit zusammenhängen, untersuchte eine im September 2026 in Wissenschaftsjournal PLOS Medicine veröffentlichte Studie. Das Forschungsteam analysierte die Schlafmuster von 95.559 Menschen aus der UK Biobank und verglich sie mit dem späteren Auftreten von mehr als tausend Krankheitsbildern.
Das auffälligste Ergebnis: Ein höherer Anteil beziehungsweise eine längere Dauer des sogenannten REM-Schlafs war mit einem niedrigeren Risiko für zahlreiche spätere Diagnosen verbunden. Zugleich zeigte die Untersuchung, dass auch Schlafdauer, Regelmäßigkeit und nächtliche Wachzeit eine Rolle spielen.
Die Schlafphasen kurz erklärt
Leichtschlaf: Der Körper kommt zur Ruhe. Du schläfst bereits, lässt Dich aber noch relativ leicht wecken.
Tiefschlaf: In dieser Phase ist es besonders schwer, Dich zu wecken. Der Körper fährt viele Funktionen herunter und erholt sich.
REM-Schlaf: REM steht für „Rapid Eye Movement“ – schnelle Augenbewegungen. Das Gehirn ist in dieser Phase sehr aktiv, und besonders lebhafte Träume treten häufig auf.
Diese Phasen folgen keinem festen Stundenplan: Sie wechseln sich im Laufe der Nacht mehrfach ab.
Was ist REM-Schlaf?
REM steht für Rapid Eye Movement und bezeichnet damit die schnellen Augenbewegungen, die während dieser Schlafphase unter den geschlossenen Lidern auftreten. Das Gehirn ist dabei sehr aktiv, während die meisten Muskeln vorübergehend gehemmt sind. Besonders lebhafte Träume treten häufig im REM-Schlaf auf.
Der REM-Schlaf wird unter anderem mit der Verarbeitung von Gefühlen und Erlebnissen sowie mit Lern- und Gedächtnisprozessen in Verbindung gebracht. Diese Aufgaben lassen sich jedoch nicht strikt getrennt einer einzigen Schlafphase zuordnen: Auch Leichtschlaf und Tiefschlaf sind wichtig. Deshalb ist es wenig sinnvoll, allein den REM-Wert eines Schlaftrackers maximieren zu wollen.
Im späteren Verlauf der Nacht werden die REM-Phasen meist länger. Wer seine Schlafzeit regelmäßig verkürzt und dadurch früher aufsteht, kann gerade diese längeren Phasen verpassen beziehungsweise vorzeitig beenden. Das ist ein wichtiger Punkt, der verdeutlicht, warum man ausreichend Zeit für Schlaf einplanen sollte.
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Eine weitere große UK-Biobank-Analyse zeigt, wie Schlafdauer mit biologischen Altersmarkern verschiedener Organsysteme zusammenhängt.
Zum ForschungsartikelSo war die Studie aufgebaut
Das Forschungsteam nutzte Daten der UK Biobank, einer großen britischen Langzeitdatenbank. In die aktuelle Analyse gingen 95.559 überwiegend mittelalte und ältere Erwachsene ein.
Die Teilnehmenden trugen sieben Tage lang rund um die Uhr einen Beschleunigungssensor am Handgelenk. Aus den Bewegungsdaten leitete ein maschinelles Lernmodell namens SleepNet verschiedene Schlafmerkmale ab:
- gesamte Schlafdauer,
- geschätzte Dauer von REM-, Leicht- und Tiefschlaf,
- Wachzeit nach dem ersten Einschlafen,
- Schwankungen der Schlafdauer von Tag zu Tag.
Anschließend überprüfte das Team anhand medizinischer Register, welche neuen Erkrankungen nach dem Messzeitraum aufgetreten sind. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug insgesamt 8,9 Jahre. Für diesen Zeitraum prüften die Forschenden Zusammenhänge mit 1.049 Krankheitsbildern. Berücksichtigt wurden zudem zahlreiche mögliche Einflussfaktoren – darunter Alter, Geschlecht, BMI, Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, sozioökonomische Merkmale sowie nächtlicher Lärm und Luftverschmutzung. Dadurch wird die Analyse nochmals aussagekräftiger. Vollständig ausschließen lassen sich unbekannte oder ungenau erfasste Einflussfaktoren trotzdem nicht.
Was die Forschenden herausgefunden haben
Nachdem die Forschungsgruppe die Daten einer strengen statistischen Korrektur unterzogen hatten, blieben 156 Zusammenhänge zwischen Schlafmerkmalen und späteren Diagnosen bestehen. Besonders häufig betrafen sie dabei den geschätzten REM-Schlaf.
1. Mehr geschätzter REM-Schlaf war mit geringerem Risiko verbunden
Eine um 47,6 Minuten höhere REM-Schlafdauer ging mit einem niedrigeren Risiko für 83 Krankheitsbilder aus zwölf Kategorien einher. Zu diesen Krankheitsbilder gehörten beispielsweise Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, ischämische Herzerkrankungen, Demenzerkrankungen, Alzheimer und Parkinson-Syndrome. Die statistischen Zusammenhänge fielen je nach Erkrankung unterschiedlich stark aus. So lag die Hazard Ratio für Vorhofflimmern bei 0,83, für Herzinsuffizienz bei 0,74 und für Alzheimer bei 0,69. Eine Hazard Ratio unter 1 bedeutet hier, dass die jeweilige Diagnose in der Gruppe mit längerer geschätzter REM-Schlafdauer im Beobachtungszeitraum seltener auftrat. Die Werte entsprechen im statistischen Vergleich einem um 17, 26 beziehungsweise 31 Prozent geringeren relativen Risiko. Sie sagen jedoch weder das persönliche Erkrankungsrisiko voraus noch belegen sie, dass mehr REM-Schlaf die Erkrankungen verhindert. Dafür wäre eine kontrollierte Interventionsstudie notwendig.
2. Auch Tiefschlaf zeigte relevante Zusammenhänge
Mehr geschätzter Tiefschlaf war mit einem niedrigeren Risiko für sieben Krankheitsbilder verbunden. Dazu gehörten in der Analyse Typ-2-Diabetes, schwere depressive Störungen, Schlafapnoe und Parkinson. Das Muster war damit weniger breit als beim REM-Schlaf, aber ebenfalls sehr bemerkenswert.
3. Sechs bis acht Stunden bildeten häufig den günstigsten Bereich
Auch die Schlafdauer machte einen Unterschied. Bei 69 der untersuchten Krankheitsbilder war das statistische Risiko am niedrigsten, wenn die Teilnehmenden zwischen sechs und acht Stunden schliefen. Besonders häufig traten erhöhte Risiken bei Menschen auf, die weniger als fünf Stunden schliefen. Das ist kein Beleg dafür, dass sechs Stunden für jeden Menschen optimal sind. Individueller Schlafbedarf, Alter, Erkrankungen und Lebenssituation unterscheiden sich. Die Studie zeigt vielmehr, dass extreme Abweichungen – vor allem sehr kurzer Schlaf – langfristig nicht als harmlos betrachtet werden sollten.
4. Regelmäßigkeit und ungestörter Schlaf zählen ebenfalls
Stärkere Schwankungen der täglichen Schlafdauer sowie mehr Wachzeit nach dem Einschlafen waren auch mit erhöhten Risiken für mehrere Erkrankungen verbunden. Das zeigt, dass ein stabiler Rhythmus und möglichst wenig Fragmentierung wichtig für die Schlafgesundheit sind.
Was die Ergebnisse bedeuten – und was nicht
Die große Stichprobe, die lange Nachbeobachtung und die objektivere Erfassung über einen Sensor sind klare Stärken der Studie. Trotzdem ist es wichtig zu beachten, dass es eine Beobachtungsstudie ist. Sie kann zeigen, dass bestimmte Schlafmuster häufiger mit späteren Erkrankungen zusammen auftreten. Es geht hier vor allem um Korrelation, um mögliche Zusammenhänge zu identifizieren. Was die Studie nicht kann, ist es Ursachen zu beweisen. So bedeutet es nicht automatisch, dass jemand, der 5 Stunden schläft automatisch mehrere Krankheiten entwickelt. Die Ergebnisse beschreiben ein erhöhtes statistisches Risiko, keine Vorhersage für einzelne Menschen.
Die Forschenden diskutierten auch mögliche biologische Mechanismen, die diese Zusammenhäge erklären könnten. Denkbar sind mehrere Erklärungen:
- Eine stabile Schlafarchitektur könnte biologische Regenerationsprozesse unterstützen.
- Beginnende, noch nicht diagnostizierte Erkrankungen könnten den Schlaf bereits verändern (hier würde also schlechter Schlaf nicht die Krankheitsentwickung beeinflussen, sondern genau umgekehrt - die Krankheitsentwicklung würde den Schlaf negativ beeinflussen).
- Dritte Faktoren – etwa Medikamente, psychische Belastung oder bestehende Gesundheitsprobleme – könnten Schlaf und Krankheitsrisiko gleichzeitig beeinflussen.
Die Forschenden berücksichtigten viele mögliche Einflussfaktoren in ihrer Auswertung. Zusätzlich wiederholten sie die Berechnung, ohne Erkrankungen einzubeziehen, die innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Schlafmessung diagnostiziert wurden. 95 der ursprünglich 156 statistischen Zusammenhänge blieben dabei bestehen. Das spricht dafür, dass die Ergebnisse nicht allein durch bereits beginnende Erkrankungen erklärt werden können. Ob die Schlafmuster selbst eine Ursache waren, lässt sich daraus weiterhin nicht ableiten.
Wissenschaftlich korrekt formuliert: Mehr geschätzter REM-Schlaf war mit einem niedrigeren Erkrankungsrisiko assoziiert. Die Studie belegt nicht, dass ausreichend und guter REM-Schlaf allein vor diesen Krankheiten schützt.
Wie genau können Wearables Schlafphasen messen?
Für die Einordnung der Studie ist auch die Messmethode entscheidend. Ein Sensor am Handgelenk erfasst Bewegung, aber keine Hirnströme, Augenbewegungen oder den Muskeltonus. Diese werden bei einer Polysomnografie im Schlaflabor gemessen und gelten als Goldstandard zur Bestimmung von Schlafstadien.
SleepNet wurde zwar anhand von mehr als 1.100 Nächten mit paralleler Polysomnografie trainiert und in mehreren Gruppen validiert. Seine Übereinstimmung für die Unterscheidung von Wach-, REM- und NREM-Phasen blieb jedoch moderat. Im Vergleich zur Polysomnografie unterschätzte das Modell die REM-Dauer im Mittel um etwa 17 Minuten.
Die Werte aus der Studie sind daher keine minutengenaue Vermessung der individuellen Schlafarchitektur. Da die Studie aber eine große Anzahl an Teilnehmenden eingeschlossen hat und sehr viele Datenpunkte hatte, können solche Schätzungen dennoch nützlich sein, weil sie reale Schlafmuster außerhalb eines Labors über mehrere Nächte abbilden.
Das gilt auch für handelsübliche Smartwatches: Ein einzelner niedriger REM-Wert ist noch lange kein medizinischer Befund. Wichtiger sind die längerfristigen Muster, das eigene Befinden und mögliche Symptome.
Was Du für Deinen Alltag mitnehmen kannst
Aus der Studie lässt sich kein spezieller „REM-Hack“ ableiten. Es gibt aber sinnvolle Grundlagen, die ausreichenden und möglichst zusammenhängenden Schlaf unterstützen.
1. Plane ausreichend Zeit für die gesamte Nacht ein
Wer regelmäßig sehr kurz schläft, reduziert nicht nur die Gesamtschlafzeit, sondern möglicherweise auch spätere REM-reiche Schlafzyklen. Versuche deshalb nicht, Deinen REM-Schlaf isoliert zu optimieren. Schaffe zunächst ein realistisches Zeitfenster für ausreichenden Gesamtschlaf.
2. Halte Aufsteh- und Schlafenszeiten möglichst stabil
Ein regelmäßiger Rhythmus unterstützt Deinen zirkadianen Rhythmus, also Deine innere Uhr. Auch am Wochenende müssen die Zeiten nicht minutengenau identisch sein. Allerdings erschwerden große und häufige Verschiebungen dem Körper eine verlässliche zeitliche Orientierung.
3. Unterschätze nächtliche Unterbrechungen nicht
Häufiges längeres Aufwachen kann die Schlafkontinuität stören, selbst wenn Dir die Zeit im Bett ausreichend erscheint. Eine ruhige, dunkle und eher kühle Schlafumgebung kann helfen, Schlafphasen zu stabilisieren.
4. Nutze Deine Smartwatch oder Tracker als grobe Orientierung, nicht als Diagnose
Beobachte vor allem Trends über mehrere Wochen, statt einzelne Nächte oder Messwerte zu bewerten. Und sobald die Jagd nach einem perfekten Schlafscore Druck erzeugt, ist der Tracker nicht mehr wirklich hilfreich. Hör auf Dich selbst, Dein Befinden am Tag bleibt das wichtigste Signal.
5. Lass anhaltende Beschwerden abklären
Lautes regelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, morgendliche Kopfschmerzen, starke Tagesschläfrigkeit oder dauerhaft unerholsamer Schlaf können auf eine Schlafstörung hinweisen. Solche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt – unabhängig davon, welche Messwerte Deine Uhr anzeigt.
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Zum ArtikelHäufige Fragen zum REM-Schlaf
Wie viel REM-Schlaf ist normal?
Im Laufe einer Nacht durchlaufen wir die verschiedenen Schlafphasen meist vier- bis sechsmal. Bei Erwachsenen macht der REM-Schlaf durchschnittlich etwa 20 bis 25 Prozent der gesamten Schlafzeit aus. Bei acht Stunden Schlaf wären das ungefähr 1½ bis 2 Stunden. Die REM-Phasen werden gegen Morgen meist länger. Das sind Richtwerte, keine Zielvorgabe für jede Nacht. Der REM-Anteil kann von Mensch zu Mensch und von Nacht zu Nacht schwanken. Auch Alter, Medikamente, Alkohol und gesundheitliche Faktoren spielen eine Rolle. Deshalb ist ein einzelner REM-Wert auf der Smartwatch wenig aussagekräftig – zumal Wearables Schlafphasen nur schätzen.
Kann ich meinen REM-Schlaf gezielt verlängern?
Einen verlässlichen Trick, mit dem Du Deinen REM-Schlaf gezielt um eine bestimmte Zeit verlängerst, liefert die Studie nicht. Sie hat beobachtet, wie Schlafmuster und spätere Erkrankungen zusammenhängen – aber keine Maßnahmen getestet, die den REM-Schlaf verändern. Was Du beeinflussen kannst, sind die Bedingungen für Deinen Schlaf insgesamt: Plane regelmäßig ausreichend Zeit zum Schlafen ein und versuche, einen möglichst stabilen Schlafrhythmus zu finden. Da die REM-Phasen gegen Morgen meist länger werden, kann eine dauerhaft verkürzte Nacht gerade diese späteren Phasen betreffen. Auch häufige nächtliche Unterbrechungen verdienen Aufmerksamkeit. Wichtig ist dabei der Blick auf das Ganze. Mehr angezeigter REM-Schlaf ist nicht automatisch besser, und der Wert Deiner Smartwatch ist keine minutengenaue Messung. Entscheidend ist auch, ob Du Dich tagsüber erholt fühlst.
Bedeutet wenig REM-Schlaf, dass ich krank werde?
Nein. Ein niedriger Wert in einer Nacht sagt nichts Verlässliches über Dein individuelles Krankheitsrisiko aus. Die Studie beschreibt statistische Zusammenhänge in einer großen Gruppe über viele Jahre. Sie ist kein Vorhersagemodell für einzelne Personen.
Sind die Schlafphasen meiner Smartwatch zuverlässig?
Wearables können längerfristige Tendenzen sichtbar machen, ersetzen aber keine Untersuchung im Schlaflabor. Die Einteilung einzelner Schlafstadien ist deutlich ungenauer als die reine Erfassung von Bewegungs- und Ruhezeiten.
Sind sechs bis acht Stunden für alle optimal?
Nein. Dieser Bereich war in der Studie für viele Krankheitsbilder mit dem geringsten statistischen Risiko verbunden. Er ist keine individuelle Schlafempfehlung. Viele Erwachsene benötigen sieben oder mehr Stunden, und der persönliche Bedarf kann variieren.
Fazit: Schlafqualität ist mehr als Schlafdauer
Die neue UK-Biobank-Studie liefert ein ungewöhnlich breites Bild davon, wie Schlafmuster und langfristige Gesundheit zusammenhängen. Mehr geschätzter REM-Schlaf war mit einem niedrigeren Risiko für 83 Krankheitsbilder verbunden. Tiefschlaf, Regelmäßigkeit und nächtliche Wachzeiten zeigten ebenfalls relevante Zusammenhänge.
Die Ergebnisse machen REM-Schlaf nicht zu einem Schutzmittel und einen Tracker nicht zum Diagnosegerät. Sie verschieben jedoch den Blick: Gesunder Schlaf bedeutet nicht nur, eine bestimmte Stundenzahl zu erreichen. Er braucht ausreichend Zeit, einen verlässlichen Rhythmus und möglichst wenige Störungen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Optimiere nicht den REM-Score einer einzelnen Nacht. Schaffe die Bedingungen, unter denen Dein Körper seine natürliche Schlafarchitektur regelmäßig selbst durchlaufen kann.
Quellen
Luo J, Liu R, Yin J, Cao W, Sun S, Chen R. Accelerometer-derived real-world sleep stages and risk of incident diseases: A UK Biobank cohort study and phenome-wide association analysis. PLOS Medicine. 2026;23(9):e1005213. doi: 10.1371/journal.pmed.1005213.
National Heart, Lung, and Blood Institute. Healthy Sleep Habits. NHLBI, National Institutes of Health.
Centers for Disease Control and Prevention. About Sleep. CDC.
Guten Tag, ich habe eine Frage: Apple-Watch unterscheidet zwischen REM-, Kern- und Tief-Phasen. Wie ist das übertragbar in das Schema der Studien?
Danke U.W.